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Das Safewards-Modell in der Erwachsenen Psychiatrie III

Die Behandlung auf einer psychiatrischen Station kann durch schwierige Situationen gekennzeichnet sein. Nicht selten findet man in diesem Setting Konflikte und daraus resultierende Eindämmungsmaßnahmen. Der eine Aspekt beeinflusst den anderen. Konflikte wie Aggressionen, Selbstverletzung, Suizidversuche, Entweichungen und daraus resultierende Eindämmungsmaßnahmen wie Isolierung und/oder Fixierung sind für Patient*innen und Mitarbeitende belastend und stellen eine potentielle Gefahrenquelle dar.

Aus diesem Grund hat die Abteilung Erwachsenen Psychiatrie III das Safwards-Modell eingeführt. Hier werden neben dem Milieu, den einrichtungsexternen Faktoren und regulatorischen Rahmenbedienungen auch die Patient*innengruppe, das multiprofessionelle Stationsteam und die individuellen Persönlichkeitseigenschaften als Konfliktursachen identifiziert.

Das Safewards-Modell liefert eine Erklärung für die Entstehung von Konflikten und weitergehend Interventionen, um Gefahrensituationen und die damit verbundenen Zwangsmaßnahmen zu reduzieren. Dieses geschieht durch die positive Beeinflussung von konfliktauslösenden Einflüssen und zielt auf ein sicheres Stationsmilieu ab. Das Safewards-Modell beschreibt die Einflussfaktoren sehr systematisch und stellt Interventionen zur Verfügung, die die Sicherheit von Mitarbeitenden und Patient*innen verbessern.

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Der Begriff der Patientenmodifikatoren steht hier für die Interaktionen zwischen den Patient*innen, die Einfluss auf Konflikte und Eindämmungsmaßnahmen haben, und auf die die Mitarbeitenden reagieren müssen. Die Eigenschaften, Handlungsweisen und Haltungen der Mitarbeitenden und Teams, die die Häufigkeit von herausfordernden Situationen und Konflikteindämmungsmaßnahmen beeinflussen können, werden unter dem Begriff der Mitarbeitermodifikatoren zusammengefasst.

Der Begriff Krisenherd wird in diesem Modell als Zuspitzung von sozialen und psychologischen Situationen definiert, die aus den Ursprungsfaktoren hervorgehen und die auf ein möglicherweise bevorstehendes Konfliktverhalten hinweisen. Das Modell zeigt, dass psychiatrisch Tätige die Häufigkeit von Konflikten und Eindämmungsmaßnahmen auf jeder Ebene beeinflussen können. Das Safewards-Modell umfasst zehn Interventionen, die eine Reduktion von Konflikten und Eindämmungsmaßnahmen mit sich bringen. Die Interventionen sind durch benannte Interventionsbevollmächtigte multiprofessionell implementiert. Diese Interventionen wurden am Kings College London zusammengestellt und in einer Studie an fünfzehn Kliniken um London auf akutpsychiatrischen Stationen erprobt. Die Randomisierung und Analyse erfolgten hier unabhängig und lieferten vielversprechende Ergebnisse, die die Sicherheit der Patient*innen und Mitarbeitenden optimiert und die Partizipation fördert. Um eine zielführende Implementierung in der Abteilung Erwachsenen Psychiatrie III dauerhaft zu gewährleisten, sind auf jeder Station neben Gesamtverantwortliche zur Einführung, mehrere Interventionsbevollmächtigte benannt, um die Interventionen systematisch durchführen zu können. Jede Station führt die Interventionen eigenverantwortlich unter Berücksichtigung von Personalstruktur und stationspezifischen Konzeptionen ein. Hier wurden stationsinterne Projektgruppen gegründet. Ein gemeinsamer Austausch zur Reflexion wird auf Abteilungsebene durchgeführt. Neben den einzelnen Interventionen wird, auch aufgrund der baulichen Voraussetzungen, besonderen Wert auf die Gestaltung des therapeutischen Milieus gelegt.

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